Da ich mich vollmundig gemeldet habe als die Aufforderungen zum “Iron Blogger Berlin” herumgingen, kommt heute endlich der Beitrag, den ich ohnehin seit einem Jahr mal schreiben wollte.
Vorgeschichte (für Schnellleser: einfach die zwei Absätze überspringen)
Wie wahrscheinlich bekannt ist, bin ich seit gefühlten 10 Jahren Mitglied der Partei DIE LINKE (früher PDS und Linkspartei.PDS). Irgendwann vor vielleicht 5 Jahren habe ich in diesem Zusammenhang Halina Wawzyniak kennen gelernt. Wie und warum ist mir tatsächlich bereits entfallen. Ich bin seit einigen Jahren innerhalb der LINKEN in der Basisorganisation “von dannen” in Friedrichshain-Kreuzberg organisiert. (Basisorganisationen – BO – sind die kleinsten Organisationseinheiten unserer Partei, in denen man sich regelmäßig zum Diskutieren und Bier trinken trifft.)
Da Halina seit jeher eine Freundin meiner BO ist und sie 2009 in Friedrichshain-Kreuzberg für den Bundestag kandidiert hat, ergab es sich, dass die BO sie in besonderem Maße im Wahlkampf unterstützt hat. Und irgendwie ergab es sich, dass ich im Wahlkampf für nen schmalen Taler den Wahlkampf in der Bezirksgeschäftsstelle unterstützt habe. Die Wahlkampfzeit war echt toll, dufte, knorke und hat Spaß gemacht. Der Knaller kam aber am Wahlabend im September 2009 (oder am Morgen danach) als nach Auszählung aller Stimmen klar war, dass Halina den Sprung in den Bundestag geschafft hatte (wenn auch nicht im Wahlkreis direkt, aber immerhin über die Landesliste der LINKEN). Und schließlich ergab es sich in den folgenden Tagen, dass Halina mich dann gefragt hat, ob ich nicht als studentischer Mitarbeiter jetzt bei ihr im Bundestag anheuern möchte. Überraschung: ich hab ja gesagt. Klang irgendwie aufregend, spannend und total neu. Und das hab ich dann auch gemacht. Und seit Sommer 2011 arbeite ich nunmehr Vollzeit als Mitarbeiter für Netzpolitik und Öffentlichkeitsarbeit.
Hier beginnt die eigentliche Geschichte:
Als Abgeordnetenmitarbeiter kommt man in den Genuss eines recht komfortablen Arbeitsumfeldes. Also wenn man jetzt mal nur die Arbeitsbedingungen am Arbeitsplatz und weniger das Umfeld von Kollegen im weitesten Sinne. Das lasse ich jetzt mal raus. (edit 23:27 Uhr: Meine Kollegen sind übrigens alle total knorke. Ich schreib später mal was über die.)
In jedem MdB-Büro gibt es mehrere Ausgaben eines kleinen gelben Handbuchs. Dieses trägt den Titel “Wegweiser für Abgeordnete” und enthält eigentlich alle wichtigen Informationen rund um die Arbeit eines Bundestagsabgeordneten. Vor allem aber enthält es Telefonnummern (und Fax). Telefonnummern (und Fax) die den Zugang zur Black Box Bundestag darstellen. Es gibt im Bundestag eigentlich nichts, was es nicht gibt. Ich möchte hier mal einen kurzen Einblick darein geben, was alles möglich ist.
117: Die Telefonnummer 117 führt einen direkt zum Telefonservice der “Parlakom”. Das ist die Organisationseinheit, die sich um die Computer in den Abgeordnetenbüros kümmert. Da man auf seinem Bürocomputer eigentlich nichts machen kann (vor allem nix installieren) muss man diese Menschen jedesmal anrufen, wenn irgendwas nicht klappt. Das tolle ist: nach einem solchen Anruf dauert es oft nicht länger als zwei Stunden und schon kommt ein Supporter vorbei und macht alles wieder heile. Dann geht er wieder.
119: Die 119 ist im Grunde genommen die Hausmeisternummer. Die dahinter stehende Organisationseinheit kümmert sich um alles, was man in Bundestagsbüros brauchen kann (außer Technik, das ist ja die 117). Türen zum Beispiel. Oder Pinnwände. In einem MdB-Büro darf man nämlich keinerlei Hand anlegen um etwa ein Bild aufzuhängen oder einen Möbel umzustellen. Ein Anruf genügt und in wenigen Stunden kommt ein Handwerker, ein Möbelpacker oder was man sonst grade braucht.
Kunst: Es gibt (das haben wir allerdings noch nicht selbst in Anspruch genommen) einen Kunstservice. Dort kann man anrufen und eine Kunstberaterin bestellen. Die kommt dann bei Bedarf ins Büro und bringt einen großen Katalog mit gefühlten Trilliarden Gemälden, Statuen und was weiß ich alles, die der Bundestag in seinem Keller hortet. Da kann man sich dann schön was aussuchen und ein paar Tage später ist die Kunst an der Wand. Toll.
Post: Es gibt – jetzt bitte kein Neid – in den Gebäuden des Bundestages eine eigene kleine Postfiliale. Dort kann man all das machen, was bei jeder anderen Post auch geht. Aber das tollste daran: ohne Schlange stehen. Ich habe nämlich noch nie erlebt, dass ich bei der Post länger als eine Minute warten musste, bevor ich bedient wurde. Auch toll.
Das Beste aber kommt zum Schluss: Türschilder
An jeder Bürotür gibt es ein kleines Schild, dass auszeichnet, wen man im dahinter liegenden Büro vermutlich antreffen wird. Möchte man dieses einmal ändern gibt es wie für fast alles ein Fax-Formular. Da trägt man dann neue Namen oder so ein und schickt es an die angegebene Faxnummer. Kein Telefonanruf nötig, keine Ahnung um den Vorgang selbst nötig. Einfach faxen und warten. Und wie von Geisterhand hat man am nächsten oder übernächsten Tag ein neues Türschild. Megatoll. Und irgendwie auch Black Box. Man schickt eine Information rein, wartet ab und irgendwann kommt das gewünschte Ergebnis raus. So ist das im Büro.

Das ist ja g-e-n-au-so wie bei Deutsche Post DHL zu arbeiten!
Leider nicht. Dem Vernehmen nach haben die Leute bei DHL, vor allem in der Zustellung, weniger zu lachen.